Während Damir an der Uni mit Ben Goldys über der Weiterentwicklung dynamischer Finanzmodelle sitzt und schwitzt, gehe ich auf Entdeckungstour durch ‚The Rocks und Circular Quay’.
Das ist das Gebiet, das wohl jeder Tourist in Sydney sehen muss: der Sydney Harbour, die Oper, die Harbour Bridge - alles vertraute Dinge, so scheint es, weil sie in den Medien so präsent sind. Das Gebiet um ‚Circular Quay’ gilt als Geburtsstätte Australiens. 1788 landete hier die ‚First Fleet’ mit Sträflingen, Soldaten und Offizieren. Sie gründeten die New South Wales und der Staat trägt ja heute noch diesen Namen. Übrigens waren nicht alle Sträflinge Schwerverbrecher; man qualifizierte bereits für’s Gefängnis, wenn man einen Kamm gestohlen hatte. Die Zellen in England barsten vor Gefangenen. Es musste Platz geschaffen werden. Den gab es in Australien, das James Cook 1770 offiziell für England in Besitz genommen hatte. (Die Aboriginies sollen vor 60.000 Jahren (!) in Australien angekommen sein.)
Die Wohnstätte der ersten Siedler waren die ‚The Rocks’, benannt nach den rauen Felsen als einst markantes Kennzeichen. ‚The Rocks’ liegen gleich am Sydney Harbour, der sich als natürlicher Hafen ideal zur Besiedlung eignete. Aber zunächst einmal war die Gegend unwirtlich und feindlich und die Siedler mussten sie in harter Arbeit bewohnbar machen. Es gab Felsen, Felsen und und noch mehr Felsen. 1788 errichten die Siedler erste Behelfsbauten, die Sträflinge später in stabilere Häuser aus grob gehauenen Steinen erweitern mussten. 1843 begann man eine Straße aus dem harten Fels zu schlagen, die erst 18 Jahre später fertig war. Um 1900 brachen Seuchen aus. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man sich vorstellt, wie man in ‚The Rocks’ gebaut hatte. Nämlich übereinander. Immer schön den Felsen nach – von unten nach oben - und ohne moderne Abwasseranlagen, so dass Abfälle, Unrat und Kloake einfach von oben nach unten herunter liefen. Wer oben wohnte, hatte es gut – Aussicht und klare Luft. Je tiefer man kam, umso dicker wurde die Luft. Das zog Ratten an, die sich im großen Stil vermehrten; so sehr, dass die Stadtväter Belohnungen auf tote Ratten auslobten. Eine Zeitlang war es ein profitables Geschäft tote Ratten zu sammeln. Die Stadt profitierte auch – die Ratten waren wieder auf Normalanzahl dezimiert und Seuchen verschwanden. Heute zeigen ‚The Rocks’ wie das weiße Australien begann.
Von hier als auch von fast jedem anderen Platz aus genießt man den Blick auf die Sydney Harbour Bridge. Acht Jahre dauerte der Bau der Stahlbrücke, die erst 1932 fertig gestellt wurde und Hafensüdseite mit den Wohngebieten im Norden verbindet. Das Ingenieur-Meisterwerk war auch ein finanzielles Kunststück. Es kostete sechs Millionen alte australische Pfund, die erst 1988 getilgt waren. Es sieht wirklich beeindruckend auf. Und für 160 Dollar kann man drei Stunden AUF der Brücke verbringen…es gibt Führungen über den Brückenbogen. Für die weniger mutigen tut’s auch der Pylon Lookout, der eine super Aussicht auf Sydney’s Skyline bietet. Ich sag nur…Postkarte! Und dann ist da noch die Sydney Opera. Die berühmtesten Muschelschalen der Welt. Gut Ding wollte auch hier Weile haben. 14 Jahre mit zermürbenden Finanz-Diskussionen und architektonischen Knobeleien später war sie fertig. Übrigens soll Joern Utzon beim Orangenschälen auf die Idee gekommen sein, die Dächer schalenförmig zu konstruieren. Hm, vielleicht helfen Orangen auch Damir und Ben...:-)
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