Sail away
Jeder stand mal am Ruder, holte Segel ein oder lag einfach auf Deck in der Sonne. Dass am Abend der (Land-)Boden unter unseren Füßen noch weiter schwankte, nahmen wir als marginales Ärgernis gern in Kauf.
Australien's Landschaft inspiriert offensichtlich alle Kreativen. In diesem Fall eine Comedy Band, die Werbung für ihre Heimat machen wollen...indem sie einfach alle giftigen Tiere auflisten. Wir haben das Lied auf jeder Tour gehört und können es fast auswendig :-). Welcome to Australia!
Das Motto der nächsten drei Tage hieß Segel setzen und hinaus in die See. Das alles erledigte für uns die Crew der 'Derwent Hunter'. Sie nahmen uns mit auf ihr 'Baby'. Dass sie dem 60 Jahre alte Segelboot mit ganzem Herzen verfallen waren, war kaum zu übersehen und überall spürbar. Für uns Gäste entstand dadurch eine wirklich angenehme Atmosphäre. Unsere Kurs: Whitsunday Islands. Das sind die 74 Inseln im mittleren Great Barrier Reef Abschnitt. Nur 17 davon sind bewohnt. Für uns alle waren sie das Paradies. Vor allem der Whiteheaven Beach auf der größsten Insel Whitsunday.
Acht Kilometer lang weißester Sand mit einem Quarzgehalt von 99.7 Prozent. Der quietscht beim Laufen! Alles Nationalpark, kein Hotel, kein Kiosk - nur Natur. Und direkt vor den Inseln leben kleinere Korallenriffe, die man einfach vom Strand aus ansteuert. Es war intimer und privater als im äusseren Riff.; Farben, Fische und Korallen ebenso prächtig. Der einzige Wehmutstropfen: Es war Stinger-Saison, zu deutsch Seewespe.
Das sind fiese Würfel-Quallen, die fast unsichtbar - weil bläulich - durch's Wasser schweben. Sie gehören zu den gefürchtetsten Quallen der tropischen Meere und gelten als das giftigste Meerestier der Welt. Das Gift ihrer Nesselzellen in den drei Meter langen Tentakeln reicht für 200 Menschen, jedes Jahr sterben mehr Menschen an dieser Qualle als an Hai-Angriffen. Um sich davor zu schüten, gibt es nur den Stinger-Suit (oder überhaupt nicht ins Wasser gehen). Eine praktische, aber unattraktive Erfindung. Einziger Trost - wir sahen alle gleich deppert aus; grins.
Man war nicht richtig in Australien, wenn man das Hinterland nicht kennengelernt hat. Dieser Ankündigung unseres Tour-Guides folgten etliche Auto-Kilometer ins Hinterland von Queensland - vorbei an Zuckerrohrplantagen (eines der Hauptexporte) und krokodilverseuchten Flüssen und Seen zu unserem ersten Aussie-Activity-Stop: ein Bowling Club. Nein, nein. Nicht alle neune, sondern alle viere. Das Aussie Lawn Bowl ähnelt dem französischen Boule. Eine kleinere weisse Kugel und vier grössere schwarze.
Es gilt die großen zu nah wie möglich an die kleine zu kugeln. Je näher, desto mehr Punkte. Es macht richtig Spass, wenn man erstmal dabei ist. Es verlangt Konzentration und Gefühl und ist dabei noch sehr gesellig. So wie unsere restliche Fahrt zur Cattle-Farm irgendwo im Hinterland. Als wir dort ankamen, dämmerte es bereits und wir sahen keines der 2000 Rindern dort und wähnten uns arglos.
Ach, wir Ahnungslosen. Hätten wir doch besser nachgedacht über das angekündigte Goat Rodeo am nächsten Vormittag. Das geht nämlich so: 1. man sattele ein Pferd (es gab sogar welche für ganz unbeholfene...), 2. lerne schnell seinen Gaul zu lenken und 3. achte auf die Ziegenherde. Aufgabe lautet: Treibt die Ziegen in das Gehege.
Zum Glück waren einige Profi-Reiter in der Gruppe, sonst würden wir wohl heute noch im Sattel sitzen. Erstes Ziel erreicht, aber damit war das Landleben noch nicht zu Ende. Jede Ziege braucht eine eindeutige Kennung. Das heisst, sie bekommt einen schicken orange-farbenen Ohrstecker. Natürlich geht das Fangen, Festhalten und Piercen nicht ohne Gemecker und Gekicher ab. Ha, ha, ha! Es war wirklich lustig.