Sonntag, Oktober 15, 2006

9. Oktober 2006: Die Erde lebt im Vulcano National Park

33 Grad Celsius, Big Island, Hawaii

Die Erde lebt!

Aktive Vulkane sind der Grund, dass wir uns Big Island auf Hawaii ausgesucht haben. Das klingt nach Abenteuer! Und was für eines es ist, zeigt sich auf der gesamten Insel. Pele – die Göttin des Feuers – ist der Legende nach hier zu Hause und hat sich aufregend eingerichtet. Krater, Mondlavalandschaften, scharf abfallende Küste, schwarze Sandstrände, Wüste, Farn- und tropische Regenwälder sowie sanfte grüne Hügellandschaften. Natur pur – vor und nach totaler (Vulkan-)Verwüstung. Das wollen wir sehen. Die Fahrt mit dem Auto dauert nur kurze Zeit, ist dafür umso abenteuerlicher, was Klima, Flora und Fauna betrifft. Wir verlassen die Kohala Küste bei 30 Grad Celsius und blauem Himmel, erklimmen dann mit dem Auto Meter um Meter die Passstrasse zwischen Mauna Kea und Mauna Loa bis auf circa 3500 Meter über dem Meer, das Thermometer fällt, die Landschaft wird weit und schwarz und zeigt die subtilen Formen gehärteter Lava, Wolken verdunkeln den Himmel, es nieselt, sporadisch öffnet der Nebelvorhang den Blick auf gespenstisch anmutende Landschaften, es beginnt zu stürmen und der Himmel öffnet alle Schleusen… . So erreichen wir den Vulcano National Park und lauschen mit gespannter Aufmerksamkeit den Empfehlungen der Parkranger: „Auf den markierten Wanderwegen bleiben. Festes Schuhwerk. Nicht in Erdspalten fallen. Keine Lava mitnehmen. Kopfbedeckung, Sonnencreme und Wasser mitnehmen.“ Häh – Sonnenschutz?? Es regnet doch und sehen tut man nix. Doch in der Hoffnung auf besseres Wetter am nächsten Tag beziehen wir unser Zimmer im Vulcano House, das direkt auf dem Kraterrand vom Mauna Kilauea sitzt, einer der aktivsten Vulkane weltweit. Et voilà; Pele meint es gut mit uns. Blauer Himmel, Sonneschein und ein Krater. So muss es aussehen, wenn ein Meteorit auf der Erde eingeschlagen ist. Ein riesiges, weites Loch im Erdboden, das dampft und nach Schwefel riecht. Es lebt! Steam Vents und Sulphur Banks befinden sich gleich neben unserer Bleibe. Die Erde dampft, wenn Grundwasser auf heißen Fels trifft; also immer dort, wo flüssige Lava nahe unter der Erdoberfläche schwelt. Zum Glück haben wir die Wanderschuhe an. Der Boden ist nämlich wirklich heiß. Nichts für Flipflops. Beim Halemaumau Krater machen wir Halt, um in der Vulkan-Surrealität zu wandern. Erkaltete Lava entwirft subtile Muster im Boden und bringt erstarrte Lava-“Wellen“ hervor, die aussehen, als ob sie jeden Moment ‚brechen’ würden. Das Gestein ist an manchen Stellen feurig rot, an den meisten jedoch schwarz, und es riecht teuflisch nach Schwefel.

Der Vulcano National Park, seit 1982 im Unesco Weltkulturerbe aufgenommen, hat noch mehr zu bieten. Wandern durch den Devastation Trail (= totale Zerstörung durch Lava und wie sich die grüne Natur das Land zurückerobert) oder durch die Thurston Lava Tube, wo ein Lava-Kanal in der Erde ausgetrocknet ist und man hindurch wandern kann. Aber der Höhepunkt ist der Puu Oo, der aktuell Magma spuckt und Lavaströme die Berghänge hinunter schickt, die sich dann ins Meer ergießen. Dabei entsteht eine riesige Dampfwolke, die man bereits aus kilometerweiter Entfernung sieht. Sie ist unter anderem gefüllt mit winzigen Glaspartikeln (Teile der Lava), so dass es richtig gefährlich wird, falls man je IN in die Dampfwolke geraten sollte. Will man die flüssige, heiße, glutrote Lava beobachten, muss man näher an den Vulkan heran. Wandern über kilometerlange Lava-Ströme aus den Jahren 2001 – 2003, 1994 – 96 (einzelne Lavaströme sind nach ihren Ausbruchs-Jahreszahlen benannt) und aufpassen, dass man ‚in keine Erdspalten fällt’. Es ist überwältigend zu sehen, wie Lava die Berge herunter fließt und dampfend und zischend das Meer trifft. Wow!

Drei Tage lang wanderten wir durch Vulkanlandschaft, bevor es uns wieder an den weißen Sandstrand der Kohala Küste zog… . Cool, alles auf EINER Insel!

PS: 20 Stunden nach unserer Abreise nach Sydney hat in Hawaii der Boden gebebt, 6.5 Punkte auf der Richterskala.

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