Montag, Januar 22, 2007

18. Januar 2007: 'Ringsuche' im Tongariro National Park

25 Grad, Tongariro National Park, Neuseeland

Neuseeland – und vor allem seine Wanderwege – werden oft mit Superlativen gelobt. Aber diese Wanderung hier ‚Tongariro Crossing’ ist wirklich etwas Besonderes. Mir fällt es nicht leicht diesen Tag in Worte zu fassen. Die Fakten: Der ‚Tongariro Crossing’ ist ein Wanderweg im Tongariro National Park auf Neuseeland’s Nordinsel, 17 Kilometer lang, durch karge, offene und aktive Vulkanlandschaft und in 8 Stunden zu schaffen. Man ist nie ganz allein. Seine Popularität verschafft ihm nämlich in Spitzenzeiten die Ehre von mehr als 700 Wanderern täglich. Die Tageswanderung beginnt früh am Morgen auf 1100 Meter. Angenehme 1.5 Stunden später soll man den angebotenen ‚Toilettenstopp’ an den Soda Springs unbedingt wahrnehmen. Bis zum nächsten offiziellen sind es vier Stunden und die Örtchen dazwischen sind ziemlich un-still und ‚exposed’ ;-). Mehrere Male geht’s steil bergauf (1886 Meter an der höchsten Stelle) und rechts und links deutlich bergab. Aber die Aussicht belohnt jeden verschwitzten Anstieg. Nach dem ersten sehen wir raumgreifende Weite über das Mangatepopo Valley, dann glutrot und unappetitlich schwefelige, weil aktive, Vulkanschlunde (‚Red Crater’), gefolgt von idyllischen smaragdgrünen Seen, dann erhabene leblose Kargheit im ‚South Crater’ und letztlich endlose Sicht über Lake Taupo und sein aufmunternd lebendiges Grün. ‚Tongariro Crossing’ ist wie eine Nebenrolle in ‚Lord of the Rings’ – Teile des Films sind hier gedreht worden. Nur übernehmen die Hauptrollen nicht Frodo, Smeagel oder Sauron, sondern Mount Ngauruhoe (Sauron’s ‚Mt. Doom’ im Film), der aktive Red Crater und die Emerald Lakes. Tongariro National Park ist nicht lieblich, eher rau und schroff und dabei voller würdevoller Erhabenheit. Vulkane flößen Furcht ein im Angesicht ihres zerstörerischen Potenzials und sind dabei von gleichsam grausamer Schönheit. Es ist ein energiegelandener, stiller, starker Ort, der Dinge auf ihr natürliches Maß reduziert, Demut fordert, Größe gibt und die Sinne schärft. Wunderbar.

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